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Midlife ohne Krise, Katja Brößling, schwarz-weiß-Doppelbild

Thank God it’s 40 – Midlife ohne Krise

Noch eine Woche….40! In meiner verschobenen Selbstwahrnehmung bin ich irgendwo zwischen 27 und 33 hängengeblieben. Bisher dachte ich auch immer, den Geburtstag lasse ich ganz locker an mir vorbeiziehen, so wie die anderen auch. Zwischendurch dachte ich auch mal an die ultimative Gartenparty, aber 90% meiner Lieblingsgäste sind in ihrem wohlverdienten Urlaub. (Letztes Jahr wollte ich noch keine Feier planen.) Aber jetzt, eine Woche vorher, bekommt die Zahl doch so etwas „Magisches“. Ich kann noch nicht ganz einordnen, ob magisch gut oder magisch blöd. Sehe ich mein Spiegelbild unbewußt in einem Schaufenster oder in der Terrassentür, zucke ich innerlich ein wenig. 40! Sieht gar nicht anders aus als 38 oder 39 – bis auf die Haarfarbe, die ich von schwarz zu platinblond verwandelt habe (krasser ging es auch kaum). Also kein Grund zur Panik. Und trotzdem fühlt es sich anders an.

Im Teenie-Alter fiebert man der 18 entgegen – endlich frei, endlich allein verantwortlich…aber eigentlich auch noch ganz schön, wenn man nach durchzechten Nächten in das heimische Bett fällt und am nächsten Morgen auch mal eine Vorlesung verschlafen kann. Wenn man soviel Glück wie ich hatte, stand sogar Frühstück da.

In den Zwanzigern fühlt man sich dann endlich wirklich erwachsen. Eigene Wohnung, Traummann am Frühstückstisch und nach dem Abschluss die Geburtswehen. Ok. Das macht jetzt nicht jede Frau so – aber ich habe es bisher nicht bereut, mit 24 das erste Kind zu bekommen. Das zweite, weil es so schön war, gleich hinterher und irgendwie bin ich ab dann nicht so wirklich älter geworden – zumindest in meinem Kopf nicht. die Möglichkeiten, die das Leben bot, wurden so gut genutzt, wie es ging. Mittlerweile bin ich Umzugsprofi und habe auch schon zwei Häuser ge- und ein Haus verkauft. Dinge, die mir mit Anfang 20 völlig unmöglich erschienen, bin ich bis zu meinem 21. Geburtstag doch niemals umgezogen. Meinen 30. Geburtstag feierte ich mit vielen Freunden und einer tollen Party.  Ab da hörte das altern nun aber wirklich auf…

Mit 38 kam der erste „Gesundheitsknick“. Ich musste mir nach dem letzten Umzug eingestehen, dass ich wohl eher nicht mehr 27 war und ich etwas mehr Zeit brauche, um mich von Strapazen zu erholen. Ich mußte mich tatsächlich neu kennen lernen. Ein schwieriger Schritt, kannte ich mich doch bisher nur als Elan geladenes Energiebündel mit einem Faible für Garten, Handarbeiten und gute Bücher. Ausgeglichenheit auf ganzer Linie also. Nun war dieses Gleichgewicht das erste mal gestört und ich musste mich wieder ausbalancieren. Ich weiß nicht, ob ich wirklich schon damit fertig bin.

Jetzt mit „noch“ 39 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, entdecke gerade, was wir wirklich Spaß macht, und nabele mich nach und nach von meinen Teenie-Kindern ab, die mir zeigen, dass ich das mit der Erziehung zu gewisser Selbstständigkeit wohl ganz gut hinbekommen habe. Und gerade durch meine neue Beschäftigung kam das Grübeln über die 40. Durch die sozialen Netzwerke wurde ich auf verschiedene Blogs und Artikel aufmerksam, von denen mir die 40 geradezu entgegen „leuchtete“. Nicht warnend, wie ein Alarmsignal, eher einladend lockend. Was erwartet mich hinter dieser magischen Zahl?
Ich las mich also durch das Blogazine 40 Something,  stöberte auf Life40up! und verschlang die Montagsinterviews mit Frauen ab 40/50/60 von texterella. Statt Brigitte lese ich jetzt Brigitte women.

So richtig greifbar schien mir der Unterschied von „vor 40“ zu „nach 40“ noch nicht. Bis mir der Untertitel bei 40 Something auffiel: ENDLICH ALT GENUG!  Und das hört sich richtig gut an.

Endlich alt genug: für mich selbst, für eine neue Zweisamkeit, für den Wandel von der Mutter zur Freundin (in dem Fall ist jetzt meine Tochter alt genug), für einen neuen Weg, für ein neues Hobby… und trotzdem jung genug für alles.

Ja man kann 40 gut als Mitte des Lebens ansehen. Man ist noch mittendrin und und begeisterungsfähig für Neues. Midlife ohne Krise! Man muss seine Kosmetik noch nicht auf reife Haut umstellen und kann heute Hoodies und Sneaker und morgen elegante Kleider tragen. Also auf zu neuen Ufern.

Midlife ohne Krise, Katja Brößling, schwarz-weiß-Doppelbild

Und trotzdem: Sachen, die ich bei meiner Mutter nie verstand, schleichen sich immer mehr in mein Leben – ich sag nur Handcreme…