Samentütchen

Samentütchen oder das Jucken im Grünen Daumen

Der Winter will nicht! Und meinetwegen muss er ja auch gar nicht.  Weihnachten ist vorbei und der Start in’s Neue Jahr löst in mir immer einen ungeheuren Tatendrang aus, unter anderem was den Garten betrifft.

Nicht ganz unschuldig ist dieses Jahr auch das Wetter. So kann ich schließlich schon viele kleine grüne Spitzen in den Beeten bewundern, die die Zwiebeln, die ich im Herbst in unkonventioneller Wurftechnik verteilt und dann eingegraben habe, schon langsam nach draußen schieben. Natürlich weiß ich, dass das viel zu früh ist und der Winter noch so richtig loslegen kann, aber sich selbst bremsen ist manchmal genauso schwer, wie den inneren Schweinehund zu überwinden. Und ob der Winter den seinigen noch überwindet, sei mal dahin gestellt.

SamentütchenAußerdem begrüßten mich neulich am Eingang meines bevorzugten Baumarktes die Regale mit den Samentütchen. Und da konnte ich dem Jucken im grünen Daumen nicht mehr widerstehen. Gefühlte Stunden verbrachte ich vor der riesigen Auswahl und spielte in meinem Kopf die Möglichkeiten durch, wo ich was „unter die Erde“ bringe. So landeten dann Samen für Salat, Kohlrabi, Radieschen, Tomaten, Möhren und Paprika erst auf dem Kassenband und dann in meiner Tasche.

Noch beschränken sich meine Aktivitäten auf die theoretische Planung, d.h. ich lege die Beete erstmal auf dem Papier an (da gibt es noch keine Rückenschmerzen von 😉 ).  Aber wenn nächstes Wochenende die Sonne scheint, könnte ich ja schon mal ein bisschen graben oder wenigstens meinen Pflanztisch aufräumen…

 

Zwei Vögel

Zugvögel – Beobachtung einer besonderen Spezies

Ich hatte mich heute auf den Weg gemacht und unverhofft das große Vergnügen, Zugvögel in Ihrem natürlichen Biotop beobachten zu dürfen.

Die ersten interessanten Sichtungen hatte ich bereits beim Einstieg in den ICE. Da die Wagen „heute im umgekehrter Reihung“ fuhren, durfte ich mich mitten in einem Schwarm „Rucksackträger“ durch den ganzen Zug vorwärts schieben. Umgeben vom lauten Geschnatter, dass der Orientierung zu den richtigen reservierten Plätzen diente. Der Leitvogel untermalte seine Laute mit heftigem Flügelschlagen. Nachdem die Gruppe ihren Landeplatz gefunden hatte und nur das Schicksal half, dass schon Platz genommene Artgenossen durch das Abschultern des Rückengepäcks nicht zu Schaden kamen, konnte ich meinen Weg zu meinem eigentlichen Beobachtungsposten unbeschadet fortsetzen.

Rings um meinen Platz herum hatten bereits kleinere Gruppen und auch Einzelgeschöpfe ihren Rastplatz gefunden. Ein besonders erschöpftes Exemplar hatte bereits eine entspannte Haltung eingenommen und seinen Kopf zur Seite kippen lassen. Ein offensichtliches Zeichen für Erholungsschlaf. Ein Pärchen präsentierte stolz ihren mitgeführten Proviant. Ihren Platz zierten: ein Fruchtjoghurt, eine Tüte Gummischlümpfe, ein Kunststoffbehälter mit liebevoll geschmierten Käsebroten, Cocktailtomaten und kleinen Gurkenscheiben, eine Tüte Karamellwaffeln und zwei Flaschen Eistee. Während sie ihren Proviant vertilgten, verständigten sie sich mit lautem Gezwitscher über selbstgemachte Spätzle und Kosmetik und berufliche Erfolge. Außerdem waren sie sehr verunsichert bezüglich ihres Landeplatzes und waren ständig bemüht, immer wieder auf ihren Zugplan zu schauen. (Zur Erklärung: es handelte sich hierbei nicht um Altvögel. Es war ein relativ junges Pärchen.)

Zwei VögelEin weiteres Einzelindividuum mit besonders  herausgeputzem Gefieder war ohne weitere Artgenossen unterwegs, hielt aber dauernden Kontakt zu ihnen, indem  es permanent in ihr Smartphone tschilpte. (Anscheinend wollten sie sich für die Weiterreise zusammen tun, teilten aber auch schon mal ihre bisherigen Erlebnisse..)

Während meiner Beobachtungen kam eine Art Schreitvogel mit auffällig sächsischem Dialekt vorbei und kontrollierte mit stechendem Blick die „Zugerlaubnis“ aller anwesenden Vögel. Ein weiterer lief mit lautem Krakelen durch die Reihen und bot zur Freude einiger Geschöpfe Getränke und Proviant feil.

Einige der Zugvögel hatten auch ihre Jungvögel noch im Schlepptau und kümmerten sich übereifrig um deren Verpflegung und deren Animation. Dieses ging natürlich einher mit unkontrolliertem Gefiepe der Küken, auf das die Mütter mit lautem Geschnatter antworteten.

Eine Stimme aus dem Hintergrund bewirkte dann plötzlich eine allgemein Unruhe . Die Vögel richteten eilig ihr Gefieder und sammelten sich in langen Schlangen zum Weiterflug.

Auch ich habe meinen Beobachtungsposten verlassen und freue mich schon auf den Rückzug der gefiederten Freunde.

PS: Liebe Deutsche Bahn, wenn ihr schon die Wagenreihung bei einem ICE ändert, schreibt es an oder macht eine Durchsage. Oder habt ihr da heimlich Euren Spaß dran, wenn sich Völkermassen in entgegengesetzter Richtung durch einen Zug drängeln?

 

Rezept für Plätzchen mit Ausstechform

Ein warmes Plätzchen für die Seele

Die Prospekte der Supermarktketten weisen mich darauf hin, dass es Zeit wird an’s Plätzchen Backen zu denken.  Wo habe ich eigentlich die rausgerissenen Rezepte gelassen, die ich doch dieses Jahr unbedingt nachbacken wollte? Mein handschriftliches Kochbuch quillt über vor losen „Einlegern“ – aber keine Plätzchenrezepte. Vielleicht in einem der fünf (oder waren es sechs) Weihnachtsbackbücher? Na zumindest kann ich da ja schon mal die  Standardrezepte wieder aufschlagen und die Zutaten auf meine Einkaufsliste setzen.
Rezept für Plätzchen mit AusstechformIn dem Zuge kann ich mir dann auch gleich wieder vornehmen, die Lieblings-Standard-Rezepte endlich mal in einem einzigen Heft zu sammeln, so dass ich nicht immer diese ganzen Bücher händeln muss. Sollte ich dieses Jahr überhaupt so viele Sorten backen?  Die Schoko-Zimt-Baisers sind schneller aufgegessen als man backen kann, und die Makronen muss ich auch in Geheimdosen verstecken.  Muss ich noch Plätzchen mit Verzierungen backen? Schaut vorm Essen sowieso keiner drauf? Aber da ich meist Rezepte habe, bei denen man bei der einen Sorte nur eine „Farbe“ vom Ei benötigt, ergibt sich die andere Sorte immer daraus…

Meine Tochter hat gerade „Backdeko“ im Prospekt entdeckt und auf meinen Einkaufszettel geschrieben, ist also die Frage nach den Verzierungen schon beantwortet…

Hier noch mein Favorit:  Lebkuchenplätzchen (auch als Baumschmuck geeignet)

250g Honig, 250g braunen Zucker und 100g Butter in einem Topf erhitzen, bis sich der Zucker gelöst hat.
500g Mehl, 1 Tl Lebkuchengewürz und 1 EL Kakao vermischen. 1 EL Pottasche in 2 El Wasser ( wer mag kann auch Rum nehmen) auflösen und zum Mehlgemisch geben. 1 Ei und die Honigmasse dazugeben, mit Frischhaltefolie abdecken und über Nacht kühl stellen.

Den Teig am nächsten Tag auf bemehlter Arbeitsfläche ausrollen und Formen ausstechen. (Wer die Plätzchen als Baumschmuck verwenden möchte, sollte ein kleines Loch für das Bändchen zum Aufhängen nicht vergessen.) Bei 180 °C Ober-/ Unterhitze ca. 12-15 Minuten backen.

Und wer noch außergewöhnliche Ausstechförmchen sucht, dem empfehle ich folgende Seite : www.backwelt24.de

Pilz im Sonnenlicht zeigt Schönheit des Herbstes

Vergängliche Schönheit oder die Schönheit des Vergänglichen

Im Herbst zeigt die Natur ihre Vergänglichkeit mit einer fast unglaublichen Schönheit. Absterbende Blätter färben sich in Farbschattierungen, die man Worten kaum beschreiben kann. Der Waldboden und tote Baumrest esind überzogen von unzähligen Pilzen, Flechten und Moose in den tollsten Farben und Formen. Wenn das Ganze dann noch von der Herbstsonne in goldenes Licht getaucht wird…einfach unbeschreiblich schön! Die Schönheit des Vergänglichen eben.

Pilz im Sonnenlicht zeigt Schönheit des Herbstes BaumpilzBovist am Baumstamm

Pilzgruppe mit Moos

Pilze überziehen Baumstamm

zwei Fliegenpilze im HerbstlaubVergleichen wir das Ganze mal mit dem Herbst des Lebens. Unsere Haarfarbe changiert von dunkelgrau über silber zu weiß – sofern wir sie lassen und nicht mit den Farben der Industrie nachhelfen.  Unsere Haut wird überzogen von mehr oder weniger tiefen Falten und Runzeln. Gut, ich bevorzuge diese Option. Die Vorstellung von Pilzen überzogen zu sein, erscheint doch etwas gruselig…Für die meisten ist Schönheit vergänglich.

Zugegeben, die individuelle Schönheit des eigenen Alterungsprozesses zu erkennen fällt nicht leicht. Aber manchmal muss man nur mal den Blickwinkel ändern und so erscheinen die ersten grauen Haare vielleicht als „Metallic-Effekt“ und die ersten Fältchen tragen zur eigenen Profilierung bei. Und wir brauchen auch keinen Beleuchtungseffekt. Solange man mit sich und seinem Leben zufrieden ist, strahlt man von innen heraus …:-)

Also genießen wir die herbstliche Natur bevor die Pilze verfaulen…

Pröbchen - Luxus in Tütchen und Fläschchen

Pröbchen – kleiner Luxus in Tütchen und Fläschchen

Aus den Zeitschriften trenne ich Pröbchen sauber heraus, prokele auch diesen komischen Klebegummi ab – da ja sonst die Seiten zusammenkleben  und unschön reißen oder die Pröbchen überall kleben bleiben. Dann kommt der erste kleine Ärger – man muss die blöde kleine Gummiklebekugel irgendwie loswerden. (Hier könnt ihr Eurer Phantasie freien Lauf lassen.)

Auch bei den sporadischen Besuchen von Parfümerien freue ich mich über die kleinen Beigaben (wenn ich denn beim Gehen einen gewissen Geldbetrag an der Kasse gelassen habe – sonst gibt’s da ja nix). Wie groß ist die Freude, wenn man das Tütchen zuhause auspackt und  – oh Wunder –  eine Probe des Duftes darin ist, den man gerade erstanden hat (und NICHT als Geschenk verpacken ließ).  – Wenn die perfekt geschminkte und frisierte Verkäuferin mit dem festgezurrten Lächeln nun blind in das Probenkistchen gegriffen hätte…hat sie aber nicht. Sie wühlte extra ausgiebig, wie um mir das Gefühl zu geben, jetzt sucht sie was ganz spezielles für mich, um es dann mit süffisantem „Ich tue Ihnen noch was Schönes dazu“ in’s glänzende Tütchen gleiten zu lassen….Naja, packe ich das Microfläschchen in die Handtasche, dann kann ich (falls es mal notwendig ist) den gleichen Duft unterwegs noch mal „nachlegen“.  Gott sei dank ist es so ein winzig kleines Sprühfläschchen.
Hat schon mal jemand so eine Probe mit diesem „Abziehverschluss“ aufbekommen, ohne den halben Inhalt auf seinen Fingern zu verteilen? Und wenn es dann auch noch -vorsichtig ausgedrückt – ein nicht ganz so toller Duft ist…da es Eau de Parfum ist, hält das ziemlich lange. Da hilft auch mehrfaches Händewaschen nicht. Das riecht dann erstmal!

Allerdings ist das bei den gesammelten Pröbchen aus den Zeitungen ja nicht wirklich besser.  Wenn ich mich nun endlich daran erinnere, dass da ja noch Proben von Duschgel und Shampoo habe und sie dann auch noch mit unter die Dusche nehme, verzweifle ich spätestens dann, wenn ich vergessen habe, sie vorher aufzuschneiden und mit nassen Händen versuche, das Tütchen aufzureißen… und wo ist eigentlich meine dritte Hand, wenn ich das Zeug aus dem Tütchen rausdrücken will? Meine neueste Errungenschaft im Tütchenbereich ist eine Parfümprobe von Esprit Woman… (ohne Kommentar)

Pröbchen - Luxus in Tütchen und FläschchenIch sammele diese Pröbchen säuberlich getrennt nach Fläschchen und Tütchen.  Manchmal schaue ich sie durch (wie andere Leute Ihre Briefmarkensammlung) und überlege, was sich demnächst mal testen sollte.

Und beim Gehen nehme ich dann noch schnell zwei Sprüher von meinem Lieblingsparfüm,  das auf der Kommode steht; da klecker ich mir die Finger nicht voll 😉

 

Tante Inges Streuselkuchen

…hatte ich tatsächlich noch in der Tasche. Und er war weder zermatscht noch verschimmelt. (Nein das wird jetzt kein Lobgesang auf Kunststoffbehälter mit 30-Jahres-Garantie).
Vier Rezeptpostkarten aus der kartenküche.deTante Inges Streuselkuchen hatte ich in Form einer wunderschönen Postkarte in meiner Tasche. Diese (und noch einige mehr) habe ich in einem dieser typischen Deko-Schnöker-und-Gedöns-Läden entdeckt, an denen frau selten vorbeikommt.  Ich fand die Idee, auf diese Art und Weise einen Kuchen zu verschenken, ohne ihn backen zu müssen, einfach unschlagbar. Deshalb habe ich auch gleich mehrere unterschiedliche Karten erstanden, die nun als Geburtstagsgruß an die wichtigsten Freundinnen und Bekannten geschickt werden.  Wer dann meint , dass der Kuchen eventuell zu kalorienreich ist und Hüftgold produziert, muss ihn sich ja nicht backen 😉

Wer jetzt Appetit bekommen hat, findet die Karten in der Kartenküche von Elke Schillai.

Buch: Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe

(Eine) Clutch geht immer

Buch: Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe

„Wenn nichts mehr geht, eine Clutch geht immer.“ Dieser Satz von Guido Maria Kretschmer aus seinem Buch „Anziehungskraft – Stil kennt keine Größe“ ist das einzige Statement von ihm, das ich hier vehement bestreiten möchte.

 

Ich finde diese Clutch-Taschen absolut unpraktisch. Mag sein, dass sie für (zu) dünne Frauen wie geschaffen sind, um sich den ganzen Abend daran festzuhalten.  Aber nehmen wir den Gang zum Büffet: in der einen Hand den Teller in der anderen die Clutch. Essen auffüllen unmöglich. Ok, vielleicht sind dünne Frauen gerade deshalb dünn.
Oder aber Applaus in der Oper:  Heißt das Ding etwa deshalb Clutch? Weil man drauf klatscht? – Ja ich weiß, man kann sich das Ding auch elegant (wie ein Fieberthermometer) in die schweißnasse Achselhöhle klemmen. Und falls diese bis dahin noch nicht schweißnass war, wenn man erstmal angestrengt die Tasche drunter klemmt, wird sie es bestimmt.  Und wenn das Prachtstück, das wohlmöglich einen halben Monatslohn gekostet hat, unschöne Transpirant-Ränder bekommt, geht das bestimmt nicht als Design-Upgrade durch.
Was tut man in diese flachen Dinger überhaupt rein? Ein Lippenstift zaubert ja schon eine unschöne Beule. Also ein Taschentuch, eine Slipeinlage, eine Ersatzstrumpfhose oder Strümpfe (max. 15 den, flach gefaltet), Briefmarken oder eine CD (braucht man nicht wirklich), alles Kartenförmige – Ausweis, Führerschein, Kreditkarte, Parkschein – das könnte sinnvoll sein.

Ändert man die Clutch jedoch in Klatsch, dann stimme ich zu: Klatsch geht immer. Das befreit und lenkt von den eigenen Unzulänglichkeiten ab.

Um nochmal auf das Buch zurückzukommen: Es ist auf alle Fälle wirklich lesenswert. Herr Kretschmer schafft es in seiner leicht ironischen Art und mit geschickter Wortwahl die
(Un-) Formen der Frau in ein positives Licht zu stellen. Nimmt man seine Sicht der Dinge an, findet man die eigene Schokoladenseite (auf wenn sie durch selbige bedingt ist) und weiß diese mit kleinen Tricks hervorzuheben, um von anderen Seiten abzulenken. Die Beschreibung der unterschiedlichen Frauen, die  zum Schutz ihrer Persönlichkeit alle „Frau Meisenkaiser“ heißen, sind einfach köstlich. Ich habe viel gelacht, einige meiner Marotten darin entdeckt und tatsächlich einige Anregungen für mich mitgenommen.

Unter anderem kam mir die Idee zu diesem Blog…