Kategorie-Archiv: Schlüssel(-erlebnisse)

Manche öffnen die Tür zum Glück und manche das Tor zur Hölle

Gartenschaukel in selbstgebauter Laube (c) privat Katja Brößling

Zeit für mich – Komm auf die Schaukel…

…Luise passt leider nicht, denn so heißt bei uns niemand. Fällt einem auch nur ein, wenn man seit fast 20 Jahren mit einem  Mann zusammen ist,  der einem morgens um 7 Uhr schon Ohrwürmer von unmöglichen Schlagern ins Ohr pflanzt. Aber um den geht es jetzt auch eher am Rande.

Es geht hier eher um das Thema #MeTime – Zeit für mich, welches durch Mama on the Rocks als Blogparade gestartet wurde. Das Thema hat auch mich seit geraumer Zeit in der Zange, auch wenn die Kinder schon auf das Abi zusteuern und Kindergarten ein Relikt aus der Vergangenheit ist. Und trotzdem „opfert“ man die eigene Zeit (als ob Zeit einem gehören würde) doch immer wieder den Bedürfnissen des Nachwuchses. Training, Zahnarzt, Schuhe zu klein, Kino und noch mehr. Das ist nicht nur mit der Zeit so. Man verzichtet auch auf das letzte Stück der Lieblingsschokolade auf den tollen lila Kugelschreiber und mittlerweile auf Kleidungsstücke, weil dem Teeniekind nun auch meine Sachen passen.

Aber ist es nicht eher so, dass man sich auch ein wenig dahinter versteckt, weil man es eigentlich schon fast verlernt hat, Zeit für sich selbst sinnvoll einzusetzen. Also ich meine jetzt nicht zum Wäsche waschen, Fenster putzen oder doch noch mal eben schnell mails beantworten. Sondern so richtig nur für sich…Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich lange und oft darüber ausgelassen habe, dass der Terminkalender der Kinder mich völlig im Griff hat. Und ich habe mich wie verrückt auf die Ferien gefreut, weil dann endlich kein Training mehr war und auch keine Musikschule. Ich konnte arbeiten wie ich wollte und auch mal ohne Unterbrechung im Garten puzzeln, wenn das Wetter gut war.  Ich liebe Gartenarbeit – aber es ist, wie der Name schon sagt Arbeit. Und ich habe auch ein Buch gelesen. Früher habe ich Bücher verschlungen – da habe ich mir diese Zeit einfach „genommen“ – anscheinend verlernt man das wirklich. Ich habe jedenfalls gemerkt, dass es mir gut tut. Einfach mal das machen, was mir gerade in den Sinn kommt, einfach mal Gedanken treiben lassen. Ich habe mich tatsächlich hinter den Aktivitäten der Kinder versteckt. So musste ich mich nicht damit beschäftigen, neue Kontakte und Aktivitäten für mich zu suchen, denn das fiel mir nach unserem Umzug hierher sehr schwer. So langsam finde ich den Bogen und könnte mich sogar mit dem Gedanken anfreunden, mal zum hiesigen Sportverein zu gehen oder vielleicht doch zum Chor. Etwas das nur ich für mich mache…

Egoismus zeigen

Ich habe vor einigen Jahren eine Gartenliege geschenkt bekommen, weil ich jemandem bei etwas besonderem geholfen habe. Diese Liege habe ich gegen alle Ansprüche verteidigt, in dem ich von vornherein angekündigt habe, dass das nun ganz allein meine Liege sei, und die damals noch kleineren Kinder waren von der Ansage beeindruckt. Denn das kannten sie nicht von mir und haben es akzeptiert. Es fiel mir auch nicht schwer, sie davon zu verscheuchen, wenn sie sich doch darauf breit gemacht hatten. Klare Ansage.

Gartenschaukel in selbstgebauter Laube (c) privat Katja BrößlingNun hat mir meine Familie – organisiert von den geliebten zeitraubenden Kindern – zu meinem 40. Geburtstag eine Gartenschaukel geschenkt. Und seit gestern hängt sie und ist benutzbar. Ich habe beschlossen, dass diese Schaukel für alle da sein wird. Aber wenn ich darauf sitze, dann heißt das MAMA HAT #MeTime!

Dann können alle mal eine Nummer ziehen und warten, bis sie wieder dran sind 😉

 

Midlife ohne Krise, Katja Brößling, schwarz-weiß-Doppelbild

Thank God it’s 40 – Midlife ohne Krise

Noch eine Woche….40! In meiner verschobenen Selbstwahrnehmung bin ich irgendwo zwischen 27 und 33 hängengeblieben. Bisher dachte ich auch immer, den Geburtstag lasse ich ganz locker an mir vorbeiziehen, so wie die anderen auch. Zwischendurch dachte ich auch mal an die ultimative Gartenparty, aber 90% meiner Lieblingsgäste sind in ihrem wohlverdienten Urlaub. (Letztes Jahr wollte ich noch keine Feier planen.) Aber jetzt, eine Woche vorher, bekommt die Zahl doch so etwas „Magisches“. Ich kann noch nicht ganz einordnen, ob magisch gut oder magisch blöd. Sehe ich mein Spiegelbild unbewußt in einem Schaufenster oder in der Terrassentür, zucke ich innerlich ein wenig. 40! Sieht gar nicht anders aus als 38 oder 39 – bis auf die Haarfarbe, die ich von schwarz zu platinblond verwandelt habe (krasser ging es auch kaum). Also kein Grund zur Panik. Und trotzdem fühlt es sich anders an.

Im Teenie-Alter fiebert man der 18 entgegen – endlich frei, endlich allein verantwortlich…aber eigentlich auch noch ganz schön, wenn man nach durchzechten Nächten in das heimische Bett fällt und am nächsten Morgen auch mal eine Vorlesung verschlafen kann. Wenn man soviel Glück wie ich hatte, stand sogar Frühstück da.

In den Zwanzigern fühlt man sich dann endlich wirklich erwachsen. Eigene Wohnung, Traummann am Frühstückstisch und nach dem Abschluss die Geburtswehen. Ok. Das macht jetzt nicht jede Frau so – aber ich habe es bisher nicht bereut, mit 24 das erste Kind zu bekommen. Das zweite, weil es so schön war, gleich hinterher und irgendwie bin ich ab dann nicht so wirklich älter geworden – zumindest in meinem Kopf nicht. die Möglichkeiten, die das Leben bot, wurden so gut genutzt, wie es ging. Mittlerweile bin ich Umzugsprofi und habe auch schon zwei Häuser ge- und ein Haus verkauft. Dinge, die mir mit Anfang 20 völlig unmöglich erschienen, bin ich bis zu meinem 21. Geburtstag doch niemals umgezogen. Meinen 30. Geburtstag feierte ich mit vielen Freunden und einer tollen Party.  Ab da hörte das altern nun aber wirklich auf…

Mit 38 kam der erste „Gesundheitsknick“. Ich musste mir nach dem letzten Umzug eingestehen, dass ich wohl eher nicht mehr 27 war und ich etwas mehr Zeit brauche, um mich von Strapazen zu erholen. Ich mußte mich tatsächlich neu kennen lernen. Ein schwieriger Schritt, kannte ich mich doch bisher nur als Elan geladenes Energiebündel mit einem Faible für Garten, Handarbeiten und gute Bücher. Ausgeglichenheit auf ganzer Linie also. Nun war dieses Gleichgewicht das erste mal gestört und ich musste mich wieder ausbalancieren. Ich weiß nicht, ob ich wirklich schon damit fertig bin.

Jetzt mit „noch“ 39 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, entdecke gerade, was wir wirklich Spaß macht, und nabele mich nach und nach von meinen Teenie-Kindern ab, die mir zeigen, dass ich das mit der Erziehung zu gewisser Selbstständigkeit wohl ganz gut hinbekommen habe. Und gerade durch meine neue Beschäftigung kam das Grübeln über die 40. Durch die sozialen Netzwerke wurde ich auf verschiedene Blogs und Artikel aufmerksam, von denen mir die 40 geradezu entgegen „leuchtete“. Nicht warnend, wie ein Alarmsignal, eher einladend lockend. Was erwartet mich hinter dieser magischen Zahl?
Ich las mich also durch das Blogazine 40 Something,  stöberte auf Life40up! und verschlang die Montagsinterviews mit Frauen ab 40/50/60 von texterella. Statt Brigitte lese ich jetzt Brigitte women.

So richtig greifbar schien mir der Unterschied von „vor 40“ zu „nach 40“ noch nicht. Bis mir der Untertitel bei 40 Something auffiel: ENDLICH ALT GENUG!  Und das hört sich richtig gut an.

Endlich alt genug: für mich selbst, für eine neue Zweisamkeit, für den Wandel von der Mutter zur Freundin (in dem Fall ist jetzt meine Tochter alt genug), für einen neuen Weg, für ein neues Hobby… und trotzdem jung genug für alles.

Ja man kann 40 gut als Mitte des Lebens ansehen. Man ist noch mittendrin und und begeisterungsfähig für Neues. Midlife ohne Krise! Man muss seine Kosmetik noch nicht auf reife Haut umstellen und kann heute Hoodies und Sneaker und morgen elegante Kleider tragen. Also auf zu neuen Ufern.

Midlife ohne Krise, Katja Brößling, schwarz-weiß-Doppelbild

Und trotzdem: Sachen, die ich bei meiner Mutter nie verstand, schleichen sich immer mehr in mein Leben – ich sag nur Handcreme…

Bienenschwarm

Ein Sonntag mit dem Schwarm oder: Tausende Damen on Tour

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Das gilt für viele Lebenslagen. Bei uns hauptsächlich für Sonntage, so auch für den letzten.
Wir hatten den Samstag ausgiebig mit Arbeit ausgefüllt: Honig schleudern, Unkraut jäten, ein neues Gehege für die Kaninchen bauen, etc. Der Sonntag sollte diesmal auch Sonntag sein. Also morgens um 9 die Gartenmöbel von der Terrasse unter die große Tanne gestellt für ein gemütliches Frühstück im Sonnenschein. Das währte genau so lange, bis sich plötzlich eines unserer Kaninchen dazu gesellte, das ja eigentlich im neuen Gehege frühstücken sollte. Es hatte sich jedoch für einen Fluchtversuch durch Tunnelbau entschieden und zwang uns so zu einer spontanen Kaninchenjagd.

Nach erfolgreicher Arrestierung des Flüchtlings gingen wir zum zweiten Kaffee über. Der blaue Himmel und die strahlende Sonne ließen in mir den irrwitzigen Plan reifen, meine Gartenliege für diesen Sommer einzuweihen. Also Frühstückstisch abräumen, den Dachboden durchstöbern nach den großen Kissen, Liege in Position bringen, Zeitschrift und Sonnencreme dazu – ich spürte schon die nahende Entspannung.
Telefon – die SchwieMu! Natürlich ist mein Mann in solchen Momenten nicht in der Nähe (ich bin überzeugt, Männer haben ein extra Gen dafür, genau in diesem Moment unauffindbar zu sein). Na gut. Ein bisschen (30 Minuten!) Konversation und der Sonntag kann weitergehen.  Ab auf die Liege und dem Zwitschern der Vögel und dem Summen der Bienen lauschen…

Bienenschwarm…und schon schob sich eine Wolke vor die Sonne. Aber keine Schönwetterwolke. Nein! Es war eine dunkle Wolke bestehend aus tausenden Bienen samt Königin,  die beschlossen hatten, dass Sonntag der perfekte Tag zum Ausschwärmen sei.

Runter von der Liege und ein Stoßgebet gen Himmel, dass der Schwarm doch im eigenen Garten landen möge. Ich hatte wahrlich keine Lust mit meinem Mann durch die Nachbarsgärten zu ziehen, um die Damenmannschaft wieder einzufangen. Da so ein königliches Gefolge ja Kundschafter aussendet, die einen würdigen Landeplatz suchen, hatte ich Zeit die Kamera zu holen und das ganze zu dokumentieren. Mein Mann bereitete in der Zeit die unausweichliche Einfangaktion vor.

Der Schwarm wußte unseren Garten anscheinend zu schätzen – oder hatte mangels vernünftigen Schuhwerks keine Lust auf lange Reisen 😉 – und landete in der oben erwähnten Tanne – vorsichtig geschätzt so in fünf bis sechs Metern Höhe.
Ich mache es kurz: Bienen beim Anflug auf ihre Bienenbeute
Große Leiter drunter, Imkersachen an, die wimmelnde Traube mit Wasser besprühen, dass die Damen enger zusammenrücken, eine großen Schwarmfangsack druntergehalten und beherzt geschüttelt.  So hatte die Reisegruppe zwar kein ausfüllendes Tagesprogramm genossen, dafür durfte sie ein schickes „Appartementhaus“ beziehen.

Und ich? Ich nahm jetzt wieder meine Liege in Beschlag und genoss nun doch noch den sonnigen Sonntagnachmittag 😉

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zwei katzen unterm sofa

Wohnt Schmidt’s Katze unter Hempel’s Sofa?

Wer hat eigentlich diese unsäglichen Redewendungen geprägt? Wie schnell vergleicht man etwas reales mit imaginären Sachen, die eigentliche keinen fassbaren Wert vermitteln? Eben, dass da „was abgeht, wie Schmidt’s Katze“, von der niemand wirklich weiß, ob sie Schmidt, Schmitt oder doch gleich Schmitz heißt. Gehörte sie vielleicht gar dem Altkanzler? Gibt es einen Beweis dafür, dass dieses Tier mit einem unglaublichen Tempo durch’s Leben flitzt? Oder ist es vielleicht doch eher ein ganz gemütliches Tier, das sich am liebsten nur vom Lieblingsplatz zum Fressnapf und wieder zurück bewegt?

zwei katzen unterm sofaUnd wer weiß schon, wie es unter der wohnzimmerlichen Sitzgelegenheit der Familie Hempel aussieht? Tut man hier vielleicht den Besitzern Unrecht, wenn man immer voraussetzt, dort würde ein unsägliches Chaos herrschen? Jedenfalls ertappe ich mich immer wieder bei diesen Vergleichen, die der Realität nicht standhalten.  Wie hoch müssten denn da die Beine von besagtem Sofa sein, wenn ich die zeitweilige Unordnung der Kinderzimmer darunter verstauen wollte? Man bräuchte wohl eine Leiter, um darauf Platz zu nehmen.

Wenn ich nicht Hempel’s Unrecht tun möchte, ziehe ich auch gern mal die Hottentotten heran: „…eine in der Kolonialzeit von den Buren erstmals verwendete Sammelbezeichnung für die in Südafrika und Namibia lebende Völkerfamilie der Khoi Khoi…“ (siehe wikipedia). Natürlich habe ich auch nicht die geringste Ahnung, wie es in deren Behausungen aussieht, geschweige denn, wie es bei denen eigentlich zugeht, trotzdem vergleiche ich die pubertierenden Teenager meiner Familie gern mal mit diesem Volksstamm. Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob ich damit eher meinen Kindern oder den Hottentotten Unrecht tue.

Tier, Sitzmöbel und Völkerstamm gehören zu unserem etablierten Wortschatz und das wird sich sicher auch nicht so schnell ändern.  Nur die Frage, ob Schmidt’s Katze eventuell unter Hempel’s Sofa wohnt (kam im Gespräch mit den erwähnten Teenagern auf), hat mich etwas nachdenklich gestimmt 😉

 

Das Bild gibt es bei opixx.org

 

Samentütchen

Samentütchen oder das Jucken im Grünen Daumen

Der Winter will nicht! Und meinetwegen muss er ja auch gar nicht.  Weihnachten ist vorbei und der Start in’s Neue Jahr löst in mir immer einen ungeheuren Tatendrang aus, unter anderem was den Garten betrifft.

Nicht ganz unschuldig ist dieses Jahr auch das Wetter. So kann ich schließlich schon viele kleine grüne Spitzen in den Beeten bewundern, die die Zwiebeln, die ich im Herbst in unkonventioneller Wurftechnik verteilt und dann eingegraben habe, schon langsam nach draußen schieben. Natürlich weiß ich, dass das viel zu früh ist und der Winter noch so richtig loslegen kann, aber sich selbst bremsen ist manchmal genauso schwer, wie den inneren Schweinehund zu überwinden. Und ob der Winter den seinigen noch überwindet, sei mal dahin gestellt.

SamentütchenAußerdem begrüßten mich neulich am Eingang meines bevorzugten Baumarktes die Regale mit den Samentütchen. Und da konnte ich dem Jucken im grünen Daumen nicht mehr widerstehen. Gefühlte Stunden verbrachte ich vor der riesigen Auswahl und spielte in meinem Kopf die Möglichkeiten durch, wo ich was „unter die Erde“ bringe. So landeten dann Samen für Salat, Kohlrabi, Radieschen, Tomaten, Möhren und Paprika erst auf dem Kassenband und dann in meiner Tasche.

Noch beschränken sich meine Aktivitäten auf die theoretische Planung, d.h. ich lege die Beete erstmal auf dem Papier an (da gibt es noch keine Rückenschmerzen von 😉 ).  Aber wenn nächstes Wochenende die Sonne scheint, könnte ich ja schon mal ein bisschen graben oder wenigstens meinen Pflanztisch aufräumen…

 

Zwei Vögel

Zugvögel – Beobachtung einer besonderen Spezies

Ich hatte mich heute auf den Weg gemacht und unverhofft das große Vergnügen, Zugvögel in Ihrem natürlichen Biotop beobachten zu dürfen.

Die ersten interessanten Sichtungen hatte ich bereits beim Einstieg in den ICE. Da die Wagen „heute im umgekehrter Reihung“ fuhren, durfte ich mich mitten in einem Schwarm „Rucksackträger“ durch den ganzen Zug vorwärts schieben. Umgeben vom lauten Geschnatter, dass der Orientierung zu den richtigen reservierten Plätzen diente. Der Leitvogel untermalte seine Laute mit heftigem Flügelschlagen. Nachdem die Gruppe ihren Landeplatz gefunden hatte und nur das Schicksal half, dass schon Platz genommene Artgenossen durch das Abschultern des Rückengepäcks nicht zu Schaden kamen, konnte ich meinen Weg zu meinem eigentlichen Beobachtungsposten unbeschadet fortsetzen.

Rings um meinen Platz herum hatten bereits kleinere Gruppen und auch Einzelgeschöpfe ihren Rastplatz gefunden. Ein besonders erschöpftes Exemplar hatte bereits eine entspannte Haltung eingenommen und seinen Kopf zur Seite kippen lassen. Ein offensichtliches Zeichen für Erholungsschlaf. Ein Pärchen präsentierte stolz ihren mitgeführten Proviant. Ihren Platz zierten: ein Fruchtjoghurt, eine Tüte Gummischlümpfe, ein Kunststoffbehälter mit liebevoll geschmierten Käsebroten, Cocktailtomaten und kleinen Gurkenscheiben, eine Tüte Karamellwaffeln und zwei Flaschen Eistee. Während sie ihren Proviant vertilgten, verständigten sie sich mit lautem Gezwitscher über selbstgemachte Spätzle und Kosmetik und berufliche Erfolge. Außerdem waren sie sehr verunsichert bezüglich ihres Landeplatzes und waren ständig bemüht, immer wieder auf ihren Zugplan zu schauen. (Zur Erklärung: es handelte sich hierbei nicht um Altvögel. Es war ein relativ junges Pärchen.)

Zwei VögelEin weiteres Einzelindividuum mit besonders  herausgeputzem Gefieder war ohne weitere Artgenossen unterwegs, hielt aber dauernden Kontakt zu ihnen, indem  es permanent in ihr Smartphone tschilpte. (Anscheinend wollten sie sich für die Weiterreise zusammen tun, teilten aber auch schon mal ihre bisherigen Erlebnisse..)

Während meiner Beobachtungen kam eine Art Schreitvogel mit auffällig sächsischem Dialekt vorbei und kontrollierte mit stechendem Blick die „Zugerlaubnis“ aller anwesenden Vögel. Ein weiterer lief mit lautem Krakelen durch die Reihen und bot zur Freude einiger Geschöpfe Getränke und Proviant feil.

Einige der Zugvögel hatten auch ihre Jungvögel noch im Schlepptau und kümmerten sich übereifrig um deren Verpflegung und deren Animation. Dieses ging natürlich einher mit unkontrolliertem Gefiepe der Küken, auf das die Mütter mit lautem Geschnatter antworteten.

Eine Stimme aus dem Hintergrund bewirkte dann plötzlich eine allgemein Unruhe . Die Vögel richteten eilig ihr Gefieder und sammelten sich in langen Schlangen zum Weiterflug.

Auch ich habe meinen Beobachtungsposten verlassen und freue mich schon auf den Rückzug der gefiederten Freunde.

PS: Liebe Deutsche Bahn, wenn ihr schon die Wagenreihung bei einem ICE ändert, schreibt es an oder macht eine Durchsage. Oder habt ihr da heimlich Euren Spaß dran, wenn sich Völkermassen in entgegengesetzter Richtung durch einen Zug drängeln?

 

Pilz im Sonnenlicht zeigt Schönheit des Herbstes

Vergängliche Schönheit oder die Schönheit des Vergänglichen

Im Herbst zeigt die Natur ihre Vergänglichkeit mit einer fast unglaublichen Schönheit. Absterbende Blätter färben sich in Farbschattierungen, die man Worten kaum beschreiben kann. Der Waldboden und tote Baumrest esind überzogen von unzähligen Pilzen, Flechten und Moose in den tollsten Farben und Formen. Wenn das Ganze dann noch von der Herbstsonne in goldenes Licht getaucht wird…einfach unbeschreiblich schön! Die Schönheit des Vergänglichen eben.

Pilz im Sonnenlicht zeigt Schönheit des Herbstes BaumpilzBovist am Baumstamm

Pilzgruppe mit Moos

Pilze überziehen Baumstamm

zwei Fliegenpilze im HerbstlaubVergleichen wir das Ganze mal mit dem Herbst des Lebens. Unsere Haarfarbe changiert von dunkelgrau über silber zu weiß – sofern wir sie lassen und nicht mit den Farben der Industrie nachhelfen.  Unsere Haut wird überzogen von mehr oder weniger tiefen Falten und Runzeln. Gut, ich bevorzuge diese Option. Die Vorstellung von Pilzen überzogen zu sein, erscheint doch etwas gruselig…Für die meisten ist Schönheit vergänglich.

Zugegeben, die individuelle Schönheit des eigenen Alterungsprozesses zu erkennen fällt nicht leicht. Aber manchmal muss man nur mal den Blickwinkel ändern und so erscheinen die ersten grauen Haare vielleicht als „Metallic-Effekt“ und die ersten Fältchen tragen zur eigenen Profilierung bei. Und wir brauchen auch keinen Beleuchtungseffekt. Solange man mit sich und seinem Leben zufrieden ist, strahlt man von innen heraus …:-)

Also genießen wir die herbstliche Natur bevor die Pilze verfaulen…

Buch: Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe

(Eine) Clutch geht immer

Buch: Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe

„Wenn nichts mehr geht, eine Clutch geht immer.“ Dieser Satz von Guido Maria Kretschmer aus seinem Buch „Anziehungskraft – Stil kennt keine Größe“ ist das einzige Statement von ihm, das ich hier vehement bestreiten möchte.

 

Ich finde diese Clutch-Taschen absolut unpraktisch. Mag sein, dass sie für (zu) dünne Frauen wie geschaffen sind, um sich den ganzen Abend daran festzuhalten.  Aber nehmen wir den Gang zum Büffet: in der einen Hand den Teller in der anderen die Clutch. Essen auffüllen unmöglich. Ok, vielleicht sind dünne Frauen gerade deshalb dünn.
Oder aber Applaus in der Oper:  Heißt das Ding etwa deshalb Clutch? Weil man drauf klatscht? – Ja ich weiß, man kann sich das Ding auch elegant (wie ein Fieberthermometer) in die schweißnasse Achselhöhle klemmen. Und falls diese bis dahin noch nicht schweißnass war, wenn man erstmal angestrengt die Tasche drunter klemmt, wird sie es bestimmt.  Und wenn das Prachtstück, das wohlmöglich einen halben Monatslohn gekostet hat, unschöne Transpirant-Ränder bekommt, geht das bestimmt nicht als Design-Upgrade durch.
Was tut man in diese flachen Dinger überhaupt rein? Ein Lippenstift zaubert ja schon eine unschöne Beule. Also ein Taschentuch, eine Slipeinlage, eine Ersatzstrumpfhose oder Strümpfe (max. 15 den, flach gefaltet), Briefmarken oder eine CD (braucht man nicht wirklich), alles Kartenförmige – Ausweis, Führerschein, Kreditkarte, Parkschein – das könnte sinnvoll sein.

Ändert man die Clutch jedoch in Klatsch, dann stimme ich zu: Klatsch geht immer. Das befreit und lenkt von den eigenen Unzulänglichkeiten ab.

Um nochmal auf das Buch zurückzukommen: Es ist auf alle Fälle wirklich lesenswert. Herr Kretschmer schafft es in seiner leicht ironischen Art und mit geschickter Wortwahl die
(Un-) Formen der Frau in ein positives Licht zu stellen. Nimmt man seine Sicht der Dinge an, findet man die eigene Schokoladenseite (auf wenn sie durch selbige bedingt ist) und weiß diese mit kleinen Tricks hervorzuheben, um von anderen Seiten abzulenken. Die Beschreibung der unterschiedlichen Frauen, die  zum Schutz ihrer Persönlichkeit alle „Frau Meisenkaiser“ heißen, sind einfach köstlich. Ich habe viel gelacht, einige meiner Marotten darin entdeckt und tatsächlich einige Anregungen für mich mitgenommen.

Unter anderem kam mir die Idee zu diesem Blog…