Kategorie-Archiv: Kulturbeutel

CDs, Bücher, Konzertkarten – Kultur für Geist und Seele

Titelblatt Flow

FLOW – warum müssen tolle Zeitschriften so teuer sein?

Der Vorteil von Bahnhofsbuchhandlungen ist ja, dass man da Zeitschriften und Magazine findet, die es in der Zeitschriftenabteilung des Supermarktes nicht gibt. So auch FLOW. Ich könnte nicht mal so genau sagen, warum mich dieses Magazin sofort angesprochen hat und so zu einer spontanen Kaufentscheidung führte. Wenn ich es jetzt betrachte, denke ich, es war diese Schlichtheit. Titel + philosophischer Spruch + Hintergrundgrafik. Mehr nicht. Keine reißerischen Schlagzeilen, keine Diät, keine Frisuren und Make-up-Vorschläge. Drei Themen prägnant auf einem aufgeklebten Etikett, die ansprechend waren.

Titelblatt Flow

Titelblatt Flow

Der Schock an der Kasse: 6,95 Euro! Mensch. Da krieg ich ja fast ein Taschenbuch für. Und das lese ich länger. Na ja. Aber wer macht an der Kasse schon einen Rückzieher? Ich hätte ja gleich mal auf den Preis schauen können.

Also ab aufs Sofa mit mir und der Zeitung. Vorher noch einen Tee kochen – sieht schließlich nach Herbst aus draußen.  Die erste Doppelseite: bunte Herbstblätter und ein kleines Label, in dem ich vermerken kann, dass das meine Flow ist.  Wie nett. Es folgen das in den Zeitschriften übliche Statement der Chefredaktion zum Titelthema und ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis. Gut. Das ist auch nichts neues. Doch die Aufmachung die dann kommt, spricht mich wirklich an. Jedes einzelne Themengebiet fängt mit einer sehr schön gestalteten Lesezeichen-Seite an, die mit ein  wenig Bastelgeschick zum Register wird – ich liebe basteln. Dann folgt ein nettes Gedicht oder ein sinniger Spruch. Ach schön. Das Thema, das sich durch das ganze Heft zieht, heißt „Klein und gross“ und handelt von der Reduzierung auf das Wesentliche – das Simplyfy-your-life-Prinzip. Das hat den Vorteil, dass ich nicht von Themen angespornt werde, noch schöner, noch schlanker und noch erfolgreicher sein zu müssen. Nein, das Lesen im Magazin entspannt und bringt anregende Gedanken. Es entschleunigt. Ein sehr schöner Effekt.

Sehr interessant der plötzliche Wechsel von Recyclingpapier auf weißen Hochglanz beim Thema „Spoil yourself“. Aber der ist schnell erklärt. Auch wenn es sehr schön umgesetzt ist, erhalte ich hier die versteckten Kaufempfehlungen. Schade. Habe ich doch gerade gelesen, dass man gar nicht viel braucht um glücklich zu sein. Ein wenig widersprüchlich. Aber zur Verteidigung sei gesagt:  Dafür werde ich in allen anderen Bereichen von Werbung verschont und da ich ja außen nun mein Register drangebastelt habe, kann ich diese beim nächsten Lesen ja komplett überblättern 😉
Zum Schluss wird es nochmal kreativ. Häkeln, Basteln, Schreiben – ich wollte schon immer wissen, wie man Granny Squares häkelt. 😀

Flow „wirbt“ auf der Titelseite mit „Inspiration-Ideen-Einblicke-Anstösse“ und wird dem im Inhalt auch wirklich gerecht.  Bei Facebook fand ich die Bezeichnung „Das Magazin für Achtsamkeit, Positive Psychologie und Selbstgemachtes“ mehr als treffend.
Also gut – die 6,95 waren, dafür dass man das Geld nur alle zwei  Monate ausgeben muss, gerechtfertigt. Das Heft werde ich durchaus öfter in die Hand nehmen und für die nächste Ausgabe fahre ich dann auch gern wieder extra zum Bahnhof.

 

Ostfriesen-Krimis von Klaus-Peter Wolf

Mordlustige Ostfriesen – spannende Urlaubslektüren für Nordsee-Touristen

Die Norddeutschen gehören laut Umfrage zu den glücklichsten Menschen der Republik. Das liegt sicher an der unvergleichlichen Umgebung und der nordischen Gemütlichkeit. Die Leute hier sind sturmerprobt und lassen sich durch nichts so leicht umhauen.

Ostfriesen-Krimis von Klaus-Peter Wolf

Betritt man aber mal eine Buchhandlung und begibt sich in die „Regionalabteilung“, finden sich dort neben den üblichen Reiseführern, Gezeiten-Kalendern und Landfrauenkochbüchern (die ich sehr schätze) eine unglaubliche Vielzahl an „Ostfriesen-Krimis“.  Das lässt die Vermutung aufkommen, dass die es sich auch um ein sehr mordlustiges Völkchen handelt. Da kann ich beruhigen. Hier finden auch nicht mehr Morde statt als anderswo, dafür scheint die Gegend sich sehr positiv auf die Kreativität von Krimiautoren auszuwirken.

In meiner Tasche landete neulich eher zufällig ein Krimi von Klaus-Peter Wolf „Ostfriesenmoor“ – der siebte Fall für die ostfriesische Polizistin Ann Kathrin Klaasen. Gefesselt vom Fall und der unglaublich ergreifenden Beschreibung der wunderschönen Gegend fraß ich mich an zwei Abenden durch das Buch. Auch ohne die sechs vorangegangenen Teile zu kennen, konnte ich mich ohne Schwierigkeiten einlesen. Der Autor erfindet Fälle in einer absolut realen Gegend. Wenn man die mörderische Erzählung ausblendet, hat man einen 1-A-Insider-Reiseführer von Ostfriesland. Denn die Orte, Hotels, Gaststätten, Cafes und sogar einige Personen findet man ohne Probleme wieder. Man spürt die Verbundenheit des Autors mit seiner Wahlheimat wirklich in jedem Wort.

Ich habe mir mittlerweile auch die ersten vier Teile zugelegt und gelesen – Teil fünf und sechs sind demnächst noch dran. Und ich muss sagen:  auch die kriminalistische Handlung läßt keine Wünsche offen. Von künstlerisch inszenierten Leichen, über verschiedene Mordmethoden bis hin zu lebendig eingemauerten Frauen. Der Phantasie werden Tür und Tor geöffnet.

Für jeden, der jetzt Geschmack bekommen hat und diese Bücher lesen möchte: Lesen Sie diese direkt im Urlaub und besuchen Sie die Schauplätze, denn wenn Sie sie zuhause lesen, werden Sie einem inneren Zwang unterliegen und sofort Urlaub an der Nordsee buchen 😉

Tante Inges Streuselkuchen

…hatte ich tatsächlich noch in der Tasche. Und er war weder zermatscht noch verschimmelt. (Nein das wird jetzt kein Lobgesang auf Kunststoffbehälter mit 30-Jahres-Garantie).
Vier Rezeptpostkarten aus der kartenküche.deTante Inges Streuselkuchen hatte ich in Form einer wunderschönen Postkarte in meiner Tasche. Diese (und noch einige mehr) habe ich in einem dieser typischen Deko-Schnöker-und-Gedöns-Läden entdeckt, an denen frau selten vorbeikommt.  Ich fand die Idee, auf diese Art und Weise einen Kuchen zu verschenken, ohne ihn backen zu müssen, einfach unschlagbar. Deshalb habe ich auch gleich mehrere unterschiedliche Karten erstanden, die nun als Geburtstagsgruß an die wichtigsten Freundinnen und Bekannten geschickt werden.  Wer dann meint , dass der Kuchen eventuell zu kalorienreich ist und Hüftgold produziert, muss ihn sich ja nicht backen 😉

Wer jetzt Appetit bekommen hat, findet die Karten in der Kartenküche von Elke Schillai.

Buch: Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe

(Eine) Clutch geht immer

Buch: Anziehungskraft. Stil kennt keine Größe

„Wenn nichts mehr geht, eine Clutch geht immer.“ Dieser Satz von Guido Maria Kretschmer aus seinem Buch „Anziehungskraft – Stil kennt keine Größe“ ist das einzige Statement von ihm, das ich hier vehement bestreiten möchte.

 

Ich finde diese Clutch-Taschen absolut unpraktisch. Mag sein, dass sie für (zu) dünne Frauen wie geschaffen sind, um sich den ganzen Abend daran festzuhalten.  Aber nehmen wir den Gang zum Büffet: in der einen Hand den Teller in der anderen die Clutch. Essen auffüllen unmöglich. Ok, vielleicht sind dünne Frauen gerade deshalb dünn.
Oder aber Applaus in der Oper:  Heißt das Ding etwa deshalb Clutch? Weil man drauf klatscht? – Ja ich weiß, man kann sich das Ding auch elegant (wie ein Fieberthermometer) in die schweißnasse Achselhöhle klemmen. Und falls diese bis dahin noch nicht schweißnass war, wenn man erstmal angestrengt die Tasche drunter klemmt, wird sie es bestimmt.  Und wenn das Prachtstück, das wohlmöglich einen halben Monatslohn gekostet hat, unschöne Transpirant-Ränder bekommt, geht das bestimmt nicht als Design-Upgrade durch.
Was tut man in diese flachen Dinger überhaupt rein? Ein Lippenstift zaubert ja schon eine unschöne Beule. Also ein Taschentuch, eine Slipeinlage, eine Ersatzstrumpfhose oder Strümpfe (max. 15 den, flach gefaltet), Briefmarken oder eine CD (braucht man nicht wirklich), alles Kartenförmige – Ausweis, Führerschein, Kreditkarte, Parkschein – das könnte sinnvoll sein.

Ändert man die Clutch jedoch in Klatsch, dann stimme ich zu: Klatsch geht immer. Das befreit und lenkt von den eigenen Unzulänglichkeiten ab.

Um nochmal auf das Buch zurückzukommen: Es ist auf alle Fälle wirklich lesenswert. Herr Kretschmer schafft es in seiner leicht ironischen Art und mit geschickter Wortwahl die
(Un-) Formen der Frau in ein positives Licht zu stellen. Nimmt man seine Sicht der Dinge an, findet man die eigene Schokoladenseite (auf wenn sie durch selbige bedingt ist) und weiß diese mit kleinen Tricks hervorzuheben, um von anderen Seiten abzulenken. Die Beschreibung der unterschiedlichen Frauen, die  zum Schutz ihrer Persönlichkeit alle „Frau Meisenkaiser“ heißen, sind einfach köstlich. Ich habe viel gelacht, einige meiner Marotten darin entdeckt und tatsächlich einige Anregungen für mich mitgenommen.

Unter anderem kam mir die Idee zu diesem Blog…