Archiv für den Monat: August 2015

Gartenschaukel in selbstgebauter Laube (c) privat Katja Brößling

Zeit für mich – Komm auf die Schaukel…

…Luise passt leider nicht, denn so heißt bei uns niemand. Fällt einem auch nur ein, wenn man seit fast 20 Jahren mit einem  Mann zusammen ist,  der einem morgens um 7 Uhr schon Ohrwürmer von unmöglichen Schlagern ins Ohr pflanzt. Aber um den geht es jetzt auch eher am Rande.

Es geht hier eher um das Thema #MeTime – Zeit für mich, welches durch Mama on the Rocks als Blogparade gestartet wurde. Das Thema hat auch mich seit geraumer Zeit in der Zange, auch wenn die Kinder schon auf das Abi zusteuern und Kindergarten ein Relikt aus der Vergangenheit ist. Und trotzdem „opfert“ man die eigene Zeit (als ob Zeit einem gehören würde) doch immer wieder den Bedürfnissen des Nachwuchses. Training, Zahnarzt, Schuhe zu klein, Kino und noch mehr. Das ist nicht nur mit der Zeit so. Man verzichtet auch auf das letzte Stück der Lieblingsschokolade auf den tollen lila Kugelschreiber und mittlerweile auf Kleidungsstücke, weil dem Teeniekind nun auch meine Sachen passen.

Aber ist es nicht eher so, dass man sich auch ein wenig dahinter versteckt, weil man es eigentlich schon fast verlernt hat, Zeit für sich selbst sinnvoll einzusetzen. Also ich meine jetzt nicht zum Wäsche waschen, Fenster putzen oder doch noch mal eben schnell mails beantworten. Sondern so richtig nur für sich…Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich lange und oft darüber ausgelassen habe, dass der Terminkalender der Kinder mich völlig im Griff hat. Und ich habe mich wie verrückt auf die Ferien gefreut, weil dann endlich kein Training mehr war und auch keine Musikschule. Ich konnte arbeiten wie ich wollte und auch mal ohne Unterbrechung im Garten puzzeln, wenn das Wetter gut war.  Ich liebe Gartenarbeit – aber es ist, wie der Name schon sagt Arbeit. Und ich habe auch ein Buch gelesen. Früher habe ich Bücher verschlungen – da habe ich mir diese Zeit einfach „genommen“ – anscheinend verlernt man das wirklich. Ich habe jedenfalls gemerkt, dass es mir gut tut. Einfach mal das machen, was mir gerade in den Sinn kommt, einfach mal Gedanken treiben lassen. Ich habe mich tatsächlich hinter den Aktivitäten der Kinder versteckt. So musste ich mich nicht damit beschäftigen, neue Kontakte und Aktivitäten für mich zu suchen, denn das fiel mir nach unserem Umzug hierher sehr schwer. So langsam finde ich den Bogen und könnte mich sogar mit dem Gedanken anfreunden, mal zum hiesigen Sportverein zu gehen oder vielleicht doch zum Chor. Etwas das nur ich für mich mache…

Egoismus zeigen

Ich habe vor einigen Jahren eine Gartenliege geschenkt bekommen, weil ich jemandem bei etwas besonderem geholfen habe. Diese Liege habe ich gegen alle Ansprüche verteidigt, in dem ich von vornherein angekündigt habe, dass das nun ganz allein meine Liege sei, und die damals noch kleineren Kinder waren von der Ansage beeindruckt. Denn das kannten sie nicht von mir und haben es akzeptiert. Es fiel mir auch nicht schwer, sie davon zu verscheuchen, wenn sie sich doch darauf breit gemacht hatten. Klare Ansage.

Gartenschaukel in selbstgebauter Laube (c) privat Katja BrößlingNun hat mir meine Familie – organisiert von den geliebten zeitraubenden Kindern – zu meinem 40. Geburtstag eine Gartenschaukel geschenkt. Und seit gestern hängt sie und ist benutzbar. Ich habe beschlossen, dass diese Schaukel für alle da sein wird. Aber wenn ich darauf sitze, dann heißt das MAMA HAT #MeTime!

Dann können alle mal eine Nummer ziehen und warten, bis sie wieder dran sind 😉

 

Midlife ohne Krise, Katja Brößling, schwarz-weiß-Doppelbild

Thank God it’s 40 – Midlife ohne Krise

Noch eine Woche….40! In meiner verschobenen Selbstwahrnehmung bin ich irgendwo zwischen 27 und 33 hängengeblieben. Bisher dachte ich auch immer, den Geburtstag lasse ich ganz locker an mir vorbeiziehen, so wie die anderen auch. Zwischendurch dachte ich auch mal an die ultimative Gartenparty, aber 90% meiner Lieblingsgäste sind in ihrem wohlverdienten Urlaub. (Letztes Jahr wollte ich noch keine Feier planen.) Aber jetzt, eine Woche vorher, bekommt die Zahl doch so etwas „Magisches“. Ich kann noch nicht ganz einordnen, ob magisch gut oder magisch blöd. Sehe ich mein Spiegelbild unbewußt in einem Schaufenster oder in der Terrassentür, zucke ich innerlich ein wenig. 40! Sieht gar nicht anders aus als 38 oder 39 – bis auf die Haarfarbe, die ich von schwarz zu platinblond verwandelt habe (krasser ging es auch kaum). Also kein Grund zur Panik. Und trotzdem fühlt es sich anders an.

Im Teenie-Alter fiebert man der 18 entgegen – endlich frei, endlich allein verantwortlich…aber eigentlich auch noch ganz schön, wenn man nach durchzechten Nächten in das heimische Bett fällt und am nächsten Morgen auch mal eine Vorlesung verschlafen kann. Wenn man soviel Glück wie ich hatte, stand sogar Frühstück da.

In den Zwanzigern fühlt man sich dann endlich wirklich erwachsen. Eigene Wohnung, Traummann am Frühstückstisch und nach dem Abschluss die Geburtswehen. Ok. Das macht jetzt nicht jede Frau so – aber ich habe es bisher nicht bereut, mit 24 das erste Kind zu bekommen. Das zweite, weil es so schön war, gleich hinterher und irgendwie bin ich ab dann nicht so wirklich älter geworden – zumindest in meinem Kopf nicht. die Möglichkeiten, die das Leben bot, wurden so gut genutzt, wie es ging. Mittlerweile bin ich Umzugsprofi und habe auch schon zwei Häuser ge- und ein Haus verkauft. Dinge, die mir mit Anfang 20 völlig unmöglich erschienen, bin ich bis zu meinem 21. Geburtstag doch niemals umgezogen. Meinen 30. Geburtstag feierte ich mit vielen Freunden und einer tollen Party.  Ab da hörte das altern nun aber wirklich auf…

Mit 38 kam der erste „Gesundheitsknick“. Ich musste mir nach dem letzten Umzug eingestehen, dass ich wohl eher nicht mehr 27 war und ich etwas mehr Zeit brauche, um mich von Strapazen zu erholen. Ich mußte mich tatsächlich neu kennen lernen. Ein schwieriger Schritt, kannte ich mich doch bisher nur als Elan geladenes Energiebündel mit einem Faible für Garten, Handarbeiten und gute Bücher. Ausgeglichenheit auf ganzer Linie also. Nun war dieses Gleichgewicht das erste mal gestört und ich musste mich wieder ausbalancieren. Ich weiß nicht, ob ich wirklich schon damit fertig bin.

Jetzt mit „noch“ 39 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, entdecke gerade, was wir wirklich Spaß macht, und nabele mich nach und nach von meinen Teenie-Kindern ab, die mir zeigen, dass ich das mit der Erziehung zu gewisser Selbstständigkeit wohl ganz gut hinbekommen habe. Und gerade durch meine neue Beschäftigung kam das Grübeln über die 40. Durch die sozialen Netzwerke wurde ich auf verschiedene Blogs und Artikel aufmerksam, von denen mir die 40 geradezu entgegen „leuchtete“. Nicht warnend, wie ein Alarmsignal, eher einladend lockend. Was erwartet mich hinter dieser magischen Zahl?
Ich las mich also durch das Blogazine 40 Something,  stöberte auf Life40up! und verschlang die Montagsinterviews mit Frauen ab 40/50/60 von texterella. Statt Brigitte lese ich jetzt Brigitte women.

So richtig greifbar schien mir der Unterschied von „vor 40“ zu „nach 40“ noch nicht. Bis mir der Untertitel bei 40 Something auffiel: ENDLICH ALT GENUG!  Und das hört sich richtig gut an.

Endlich alt genug: für mich selbst, für eine neue Zweisamkeit, für den Wandel von der Mutter zur Freundin (in dem Fall ist jetzt meine Tochter alt genug), für einen neuen Weg, für ein neues Hobby… und trotzdem jung genug für alles.

Ja man kann 40 gut als Mitte des Lebens ansehen. Man ist noch mittendrin und und begeisterungsfähig für Neues. Midlife ohne Krise! Man muss seine Kosmetik noch nicht auf reife Haut umstellen und kann heute Hoodies und Sneaker und morgen elegante Kleider tragen. Also auf zu neuen Ufern.

Midlife ohne Krise, Katja Brößling, schwarz-weiß-Doppelbild

Und trotzdem: Sachen, die ich bei meiner Mutter nie verstand, schleichen sich immer mehr in mein Leben – ich sag nur Handcreme…