Wer definiert eigentlich was Karriere ist?

Inspiriert durch den Aufruf des Xing Spielraums zur Blogparade #KindUNDKarriere, kam mir als erstes die Frage in den Sinn: Wie definiert man eigentlich Karriere? Gibt es da etwas Allgemeingültiges oder ist das persönliche Auslegungssache?

Ein Ritt auf der Erfolgsleiter

Ich habe mal den Duden befragt. Dieser versteht unter Karriere:
1. erfolgreicher Aufstieg im Beruf
2. schnellste Gangart des Pferdes, gestreckter Galopp.
Für den Fall der geführten Diskussion geht es also um den beruflichen Aufstieg. Mit Kind(ern). Ich setze das gleich mit dem Bild, dass man als Frau permanent im gestreckten Galopp unterwegs ist.

Die große Erwartungshaltung

Ich frage mich, wer eigentlich diese Erwartungshaltung etabliert hat? Natürlich sollte es selbstverständlich sein, dass man als Frau UND Mutter die Chance hat, sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Aber bin ich denn nur was wert, wenn ich „Karriere“ machen? Reicht es nicht, dass ich einem Beruf nachgehe der mir Spaß macht und mich erfüllt und ich noch Zeit zum Leben mit meiner Familie habe? Für mich jedenfalls schon.

Gleichberechtigung ist nicht gleich Berechtigung…

Doch das ist das Dilemma. Denn selbst die vereinfachte Form Kind UND Berufsleben kann an den unterschiedlichsten Sachen scheitern und bestraft Frauen zudem mit vielen Nachteilen (ich sag nur RENTE).
Fangen wir doch mal ganz einfach beim Berufsleben ohne Kind an. Erstens verdiene ich als Frau schon mal von vornherein weniger als männliche Kollegen mit gleicher Qualifizierung und gleichen Aufgaben. Das ist eben so! – ist die Standardantwort auf ein warum. Oder hat jemand dafür schon mal eine plausible Erklärung erhalten. Ich bin lernfähig, also her damit. Zweitens werde ich von Vornherein als potentielles Zuchttier angesehen. Die verbotenen Fragen im Bewerbungsgespräch werden sowieso gestellt. Man muss sich also dafür rechtfertigen, dass man als Frau zur Welt kam und wie man das managen will – chinesische Verhältnisse?
Nun die Leistungssteigerung: Berufsleben mit Kind. Müssen wir wirklich schon dafür dankbar sein,  dass wir nach der Erziehungszeit zurückkommen dürfen? Warum werden wir als Mutter-mit-Kind definiert und nicht als qualifizierte Arbeitnehmerin mit gesteigerter Belastungsfähigkeit und einer erweiterten Spezialisierung in flexibler Organisation (denn das haben wir ja alles während der Auszeit trainiert)?

Aus eigener Erfahrung kann ich folgende Anekdote beisteuern: Ich habe ganz bewußt meine Familienplanung so gelegt, dass ich direkt nach dem Diplom mit zwei Kindern durchgestartet bin. Mein Plan und Gedanke: wenn ich dann einsteige, bin ich kein potentielles Ausfallrisiko für längere Zeiten, denn die Betreuung der Kinder im Krankheitsfall war organisiert. Mit diesem kühnen Satz in meiner Bewerbung kassierte ich weit mehr als 60 Absagen. Dann machte ich etwas, was ich nie machen wollte: ich frisierte meinen Lebenslauf und fügte nach dem Studium eine Weltreise zur Selbstfindung und Sammeln von Lebenserfahrung ein. Jede weitere Bewerbung mündete in einer Einladung zum Gespräch. Wenn die Frage nach der Familienplanung kam und ich mit abgeschlossen! antwortete, kam meistens gleich: „Sind sie sicher, dass Sie keine Kinder möchten? Sie sind doch nicht mal 30!“  Und wenn ich dann mit  „Meine zwei sind mir genug“ konterte, gefror der Besprechungsraum jedesmal zu einem Eiskeller und das Gespräch wurde schnell beendet.

Können gegen Klischee

Ich habe selbst Personalwesen studiert und ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Klischees dort nicht offiziell gelehrt bekommen habe. Die Professoren (allesamt männlich) kamen mit modernen Einstellungen daher und niemand bereitete uns auf diese Szenarien vor. Aber man kannte sie ja vom Hören-Sagen. Wenn man jung ist glaubt man zuerst noch an den Weihnachtsmann und später daran, dass alles besser wird. Noch später weiß man, das Klischees länger leben als neue Ideen. Ich selbst hoffte immer, dass doch mal jemand erkennen muss, dass man sich mit Müttern unglaublich flexible, belastbare und erprobte Organisationstalente in das Unternehmen holt, die neben Plan B auch noch bis Plan F gehen. Diese Unternehmer gibt es, aber man findet sie meist nur zufällig. Sie sind schlaue Macher und stille Könner. Sie posaunen Ihre Erkenntnisse nicht in die Wirtschaftswelt. Und ich denke, es liegt daran,  dass der Rest sie nur müde belächeln würde.

Wo bleibt die Selbstbestimmung?

Die Gesellschaft lebt heutzutage schizophren. Will die Frau sich neben der Mutterrolle beruflich verwirklichen, fehlt es an infrastrukturelle Voraussetzungen und Verständnis in den Chefetagen. Entscheidet sich die Frau für ein Leben ohne Karriere, passt sie nicht in das gängige Gesellschaftsbild und muss sich dafür rechtfertigen, anscheinend mit mangelndem Selbstbewusstsein ausgestattet zu sein und die Errungenschaften der Emanzipation in den Dreck zu treten (ja auch die Ansicht gibt es).
Viele Menschen machen sich viele Gedanken um den besten Weg. Ich denke, es gibt nicht die beste Lösung. Es gibt viele individuelle Lösungen und die beruhen auf Verständnis, Erkenntnis und Anerkennung für das selbstbestimmte Leben.

Vor einiger Zeit gab es genau zu dem Thema eine sehr interessante Online-Live-Diskussion auf NIDO.de mit den Autorinnen des Buches „Die Alles-ist-möglich-Lüge“. Leider kann man sich das wohl nicht mehr nachträglich ansehen. (Ich habe es nicht gefunden).

Aber man kann auch das Buch lesen:

2 Gedanken zu „Wer definiert eigentlich was Karriere ist?

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