Archiv für den Monat: Oktober 2014

Wer definiert eigentlich was Karriere ist?

Inspiriert durch den Aufruf des Xing Spielraums zur Blogparade #KindUNDKarriere, kam mir als erstes die Frage in den Sinn: Wie definiert man eigentlich Karriere? Gibt es da etwas Allgemeingültiges oder ist das persönliche Auslegungssache?

Ein Ritt auf der Erfolgsleiter

Ich habe mal den Duden befragt. Dieser versteht unter Karriere:
1. erfolgreicher Aufstieg im Beruf
2. schnellste Gangart des Pferdes, gestreckter Galopp.
Für den Fall der geführten Diskussion geht es also um den beruflichen Aufstieg. Mit Kind(ern). Ich setze das gleich mit dem Bild, dass man als Frau permanent im gestreckten Galopp unterwegs ist.

Die große Erwartungshaltung

Ich frage mich, wer eigentlich diese Erwartungshaltung etabliert hat? Natürlich sollte es selbstverständlich sein, dass man als Frau UND Mutter die Chance hat, sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Aber bin ich denn nur was wert, wenn ich „Karriere“ machen? Reicht es nicht, dass ich einem Beruf nachgehe der mir Spaß macht und mich erfüllt und ich noch Zeit zum Leben mit meiner Familie habe? Für mich jedenfalls schon.

Gleichberechtigung ist nicht gleich Berechtigung…

Doch das ist das Dilemma. Denn selbst die vereinfachte Form Kind UND Berufsleben kann an den unterschiedlichsten Sachen scheitern und bestraft Frauen zudem mit vielen Nachteilen (ich sag nur RENTE).
Fangen wir doch mal ganz einfach beim Berufsleben ohne Kind an. Erstens verdiene ich als Frau schon mal von vornherein weniger als männliche Kollegen mit gleicher Qualifizierung und gleichen Aufgaben. Das ist eben so! – ist die Standardantwort auf ein warum. Oder hat jemand dafür schon mal eine plausible Erklärung erhalten. Ich bin lernfähig, also her damit. Zweitens werde ich von Vornherein als potentielles Zuchttier angesehen. Die verbotenen Fragen im Bewerbungsgespräch werden sowieso gestellt. Man muss sich also dafür rechtfertigen, dass man als Frau zur Welt kam und wie man das managen will – chinesische Verhältnisse?
Nun die Leistungssteigerung: Berufsleben mit Kind. Müssen wir wirklich schon dafür dankbar sein,  dass wir nach der Erziehungszeit zurückkommen dürfen? Warum werden wir als Mutter-mit-Kind definiert und nicht als qualifizierte Arbeitnehmerin mit gesteigerter Belastungsfähigkeit und einer erweiterten Spezialisierung in flexibler Organisation (denn das haben wir ja alles während der Auszeit trainiert)?

Aus eigener Erfahrung kann ich folgende Anekdote beisteuern: Ich habe ganz bewußt meine Familienplanung so gelegt, dass ich direkt nach dem Diplom mit zwei Kindern durchgestartet bin. Mein Plan und Gedanke: wenn ich dann einsteige, bin ich kein potentielles Ausfallrisiko für längere Zeiten, denn die Betreuung der Kinder im Krankheitsfall war organisiert. Mit diesem kühnen Satz in meiner Bewerbung kassierte ich weit mehr als 60 Absagen. Dann machte ich etwas, was ich nie machen wollte: ich frisierte meinen Lebenslauf und fügte nach dem Studium eine Weltreise zur Selbstfindung und Sammeln von Lebenserfahrung ein. Jede weitere Bewerbung mündete in einer Einladung zum Gespräch. Wenn die Frage nach der Familienplanung kam und ich mit abgeschlossen! antwortete, kam meistens gleich: „Sind sie sicher, dass Sie keine Kinder möchten? Sie sind doch nicht mal 30!“  Und wenn ich dann mit  „Meine zwei sind mir genug“ konterte, gefror der Besprechungsraum jedesmal zu einem Eiskeller und das Gespräch wurde schnell beendet.

Können gegen Klischee

Ich habe selbst Personalwesen studiert und ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Klischees dort nicht offiziell gelehrt bekommen habe. Die Professoren (allesamt männlich) kamen mit modernen Einstellungen daher und niemand bereitete uns auf diese Szenarien vor. Aber man kannte sie ja vom Hören-Sagen. Wenn man jung ist glaubt man zuerst noch an den Weihnachtsmann und später daran, dass alles besser wird. Noch später weiß man, das Klischees länger leben als neue Ideen. Ich selbst hoffte immer, dass doch mal jemand erkennen muss, dass man sich mit Müttern unglaublich flexible, belastbare und erprobte Organisationstalente in das Unternehmen holt, die neben Plan B auch noch bis Plan F gehen. Diese Unternehmer gibt es, aber man findet sie meist nur zufällig. Sie sind schlaue Macher und stille Könner. Sie posaunen Ihre Erkenntnisse nicht in die Wirtschaftswelt. Und ich denke, es liegt daran,  dass der Rest sie nur müde belächeln würde.

Wo bleibt die Selbstbestimmung?

Die Gesellschaft lebt heutzutage schizophren. Will die Frau sich neben der Mutterrolle beruflich verwirklichen, fehlt es an infrastrukturelle Voraussetzungen und Verständnis in den Chefetagen. Entscheidet sich die Frau für ein Leben ohne Karriere, passt sie nicht in das gängige Gesellschaftsbild und muss sich dafür rechtfertigen, anscheinend mit mangelndem Selbstbewusstsein ausgestattet zu sein und die Errungenschaften der Emanzipation in den Dreck zu treten (ja auch die Ansicht gibt es).
Viele Menschen machen sich viele Gedanken um den besten Weg. Ich denke, es gibt nicht die beste Lösung. Es gibt viele individuelle Lösungen und die beruhen auf Verständnis, Erkenntnis und Anerkennung für das selbstbestimmte Leben.

Vor einiger Zeit gab es genau zu dem Thema eine sehr interessante Online-Live-Diskussion auf NIDO.de mit den Autorinnen des Buches „Die Alles-ist-möglich-Lüge“. Leider kann man sich das wohl nicht mehr nachträglich ansehen. (Ich habe es nicht gefunden).

Aber man kann auch das Buch lesen:

Titelblatt Flow

FLOW – warum müssen tolle Zeitschriften so teuer sein?

Der Vorteil von Bahnhofsbuchhandlungen ist ja, dass man da Zeitschriften und Magazine findet, die es in der Zeitschriftenabteilung des Supermarktes nicht gibt. So auch FLOW. Ich könnte nicht mal so genau sagen, warum mich dieses Magazin sofort angesprochen hat und so zu einer spontanen Kaufentscheidung führte. Wenn ich es jetzt betrachte, denke ich, es war diese Schlichtheit. Titel + philosophischer Spruch + Hintergrundgrafik. Mehr nicht. Keine reißerischen Schlagzeilen, keine Diät, keine Frisuren und Make-up-Vorschläge. Drei Themen prägnant auf einem aufgeklebten Etikett, die ansprechend waren.

Titelblatt Flow

Titelblatt Flow

Der Schock an der Kasse: 6,95 Euro! Mensch. Da krieg ich ja fast ein Taschenbuch für. Und das lese ich länger. Na ja. Aber wer macht an der Kasse schon einen Rückzieher? Ich hätte ja gleich mal auf den Preis schauen können.

Also ab aufs Sofa mit mir und der Zeitung. Vorher noch einen Tee kochen – sieht schließlich nach Herbst aus draußen.  Die erste Doppelseite: bunte Herbstblätter und ein kleines Label, in dem ich vermerken kann, dass das meine Flow ist.  Wie nett. Es folgen das in den Zeitschriften übliche Statement der Chefredaktion zum Titelthema und ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis. Gut. Das ist auch nichts neues. Doch die Aufmachung die dann kommt, spricht mich wirklich an. Jedes einzelne Themengebiet fängt mit einer sehr schön gestalteten Lesezeichen-Seite an, die mit ein  wenig Bastelgeschick zum Register wird – ich liebe basteln. Dann folgt ein nettes Gedicht oder ein sinniger Spruch. Ach schön. Das Thema, das sich durch das ganze Heft zieht, heißt „Klein und gross“ und handelt von der Reduzierung auf das Wesentliche – das Simplyfy-your-life-Prinzip. Das hat den Vorteil, dass ich nicht von Themen angespornt werde, noch schöner, noch schlanker und noch erfolgreicher sein zu müssen. Nein, das Lesen im Magazin entspannt und bringt anregende Gedanken. Es entschleunigt. Ein sehr schöner Effekt.

Sehr interessant der plötzliche Wechsel von Recyclingpapier auf weißen Hochglanz beim Thema „Spoil yourself“. Aber der ist schnell erklärt. Auch wenn es sehr schön umgesetzt ist, erhalte ich hier die versteckten Kaufempfehlungen. Schade. Habe ich doch gerade gelesen, dass man gar nicht viel braucht um glücklich zu sein. Ein wenig widersprüchlich. Aber zur Verteidigung sei gesagt:  Dafür werde ich in allen anderen Bereichen von Werbung verschont und da ich ja außen nun mein Register drangebastelt habe, kann ich diese beim nächsten Lesen ja komplett überblättern 😉
Zum Schluss wird es nochmal kreativ. Häkeln, Basteln, Schreiben – ich wollte schon immer wissen, wie man Granny Squares häkelt. 😀

Flow „wirbt“ auf der Titelseite mit „Inspiration-Ideen-Einblicke-Anstösse“ und wird dem im Inhalt auch wirklich gerecht.  Bei Facebook fand ich die Bezeichnung „Das Magazin für Achtsamkeit, Positive Psychologie und Selbstgemachtes“ mehr als treffend.
Also gut – die 6,95 waren, dafür dass man das Geld nur alle zwei  Monate ausgeben muss, gerechtfertigt. Das Heft werde ich durchaus öfter in die Hand nehmen und für die nächste Ausgabe fahre ich dann auch gern wieder extra zum Bahnhof.