Archiv für den Tag: 31. Oktober 2013

Zwei Vögel

Zugvögel – Beobachtung einer besonderen Spezies

Ich hatte mich heute auf den Weg gemacht und unverhofft das große Vergnügen, Zugvögel in Ihrem natürlichen Biotop beobachten zu dürfen.

Die ersten interessanten Sichtungen hatte ich bereits beim Einstieg in den ICE. Da die Wagen „heute im umgekehrter Reihung“ fuhren, durfte ich mich mitten in einem Schwarm „Rucksackträger“ durch den ganzen Zug vorwärts schieben. Umgeben vom lauten Geschnatter, dass der Orientierung zu den richtigen reservierten Plätzen diente. Der Leitvogel untermalte seine Laute mit heftigem Flügelschlagen. Nachdem die Gruppe ihren Landeplatz gefunden hatte und nur das Schicksal half, dass schon Platz genommene Artgenossen durch das Abschultern des Rückengepäcks nicht zu Schaden kamen, konnte ich meinen Weg zu meinem eigentlichen Beobachtungsposten unbeschadet fortsetzen.

Rings um meinen Platz herum hatten bereits kleinere Gruppen und auch Einzelgeschöpfe ihren Rastplatz gefunden. Ein besonders erschöpftes Exemplar hatte bereits eine entspannte Haltung eingenommen und seinen Kopf zur Seite kippen lassen. Ein offensichtliches Zeichen für Erholungsschlaf. Ein Pärchen präsentierte stolz ihren mitgeführten Proviant. Ihren Platz zierten: ein Fruchtjoghurt, eine Tüte Gummischlümpfe, ein Kunststoffbehälter mit liebevoll geschmierten Käsebroten, Cocktailtomaten und kleinen Gurkenscheiben, eine Tüte Karamellwaffeln und zwei Flaschen Eistee. Während sie ihren Proviant vertilgten, verständigten sie sich mit lautem Gezwitscher über selbstgemachte Spätzle und Kosmetik und berufliche Erfolge. Außerdem waren sie sehr verunsichert bezüglich ihres Landeplatzes und waren ständig bemüht, immer wieder auf ihren Zugplan zu schauen. (Zur Erklärung: es handelte sich hierbei nicht um Altvögel. Es war ein relativ junges Pärchen.)

Zwei VögelEin weiteres Einzelindividuum mit besonders  herausgeputzem Gefieder war ohne weitere Artgenossen unterwegs, hielt aber dauernden Kontakt zu ihnen, indem  es permanent in ihr Smartphone tschilpte. (Anscheinend wollten sie sich für die Weiterreise zusammen tun, teilten aber auch schon mal ihre bisherigen Erlebnisse..)

Während meiner Beobachtungen kam eine Art Schreitvogel mit auffällig sächsischem Dialekt vorbei und kontrollierte mit stechendem Blick die „Zugerlaubnis“ aller anwesenden Vögel. Ein weiterer lief mit lautem Krakelen durch die Reihen und bot zur Freude einiger Geschöpfe Getränke und Proviant feil.

Einige der Zugvögel hatten auch ihre Jungvögel noch im Schlepptau und kümmerten sich übereifrig um deren Verpflegung und deren Animation. Dieses ging natürlich einher mit unkontrolliertem Gefiepe der Küken, auf das die Mütter mit lautem Geschnatter antworteten.

Eine Stimme aus dem Hintergrund bewirkte dann plötzlich eine allgemein Unruhe . Die Vögel richteten eilig ihr Gefieder und sammelten sich in langen Schlangen zum Weiterflug.

Auch ich habe meinen Beobachtungsposten verlassen und freue mich schon auf den Rückzug der gefiederten Freunde.

PS: Liebe Deutsche Bahn, wenn ihr schon die Wagenreihung bei einem ICE ändert, schreibt es an oder macht eine Durchsage. Oder habt ihr da heimlich Euren Spaß dran, wenn sich Völkermassen in entgegengesetzter Richtung durch einen Zug drängeln?